24.09.2013

Später Kartoffelanbau: Was sind die Risiken?

Landwirte müssen handeln, wenn sich der Einwanderer nicht zur ernsten Bedrohung für den Rübenanbau auswachsen soll.

Wo die Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) auftaucht, bangen Bauern um ihre Zuckerrübenerträge. Das eingewanderte Insekt ist selbst kein Schädling, aber es überträgt Krankheitserreger, die Rüben schwer schädigen. Insektizide sind derzeit nicht zugelassen. Beobachtung, Änderung der Fruchtfolge und reduzierte Bodenbearbeitung helfen, die Ausbreitung zu begrenzen.

Die Situation heute...

Der Kartoffelanbau verzögerte sich vor allem in der Schweiz vor allem im Westen. Mitte Mai waren dort rund 50 % der vorgesehenen Flächen bepflanzt, in der Deutschschweiz dagegen 60 bis 70 %. Aufgrund der tiefen Temperaturen und der anhaltenden Niederschläge während der vergangenen Wochen waren die Böden für diese Jahreszeit nass und kalt. Tiefere Bodenschichten trockneten nur schwer ab. Ende März des vergangenen Jahres war der Anbau auf mehr als der Hälfte der Felder bereits beendet, während die Arbeiten in diesem Jahr im Schnitt mit einer Verspätung von 3 bis 4 Wochen erfolgen. Verglichen mit dem Rest Europas, wo die Anbaubedingungen im April gut waren, ist diese Situation außergewöhnlich.

... und morgen

Seit dem 15. Mai regnete es wieder vermehrt im Mittelland und die Wetterprognosen für die nächsten Tage blieben mittelmäßig. Unter gewissen ungünstigen Bedingungen werden die Kartoffeln vermutlich nicht vor Mitte Juni angepflanzt und damit den physiologischen, phytosanitären und klimatischen Risiken eines späten Anbaus ausgesetzt.

Physiologisches Risiko

Spät gepflanzte Knollen sind physiologisch älter. Einige anfällige Sorten können verzögert oder mangelhaft auflaufen. Die anderen Sorten werden ihren Rückstand durch ein rasches Auflaufen, eine frühere Knollenbildung und einen kürzeren Vegetationszyklus wettmachen, was sich in geringerem Ertrag auswirken kann. In der Schweizerischen Sortenliste für Kartoffeln, die jährlich aktualisiert wird, beschreibt Agroscope (Forschungsanstalt Nyon, Schweiz) die physiologischen Eigenschaften der neu eingetragenen Sorten. Dank dieser Informationen kann das Risiko für jede Sorte eingeschätzt werden.

Phytosanitäres Risiko

Eine im Juni auflaufende Kartoffel ist den Krankheitserregern, besonders der Kraut- und Knollenfäule, stärker ausgesetzt. Die ersten Befälle treten in der Regel Anfang Juni auf und stellen einen äußerst hohen Infektionsdruck dar, da die in der Umwelt bereits vorhandenen Sporangien die Kulturen ab dem Auflaufen befallen können. Über PhytoPRE, dem Warn- und Prognosemodell von Agroscope, können Fungizid-Behandlungen gezielt vorgenommen werden, um so die bestmögliche Effizienz zu erreichen. Ausserdem begünstigt ein verdichteter und nasser Boden das Auftreten von Bakterien oder das Ersticken der Knollen.

Klimatisches Risiko

Von Juli bis August gibt es häufiger warme und trockene Perioden. Diese ziehen vor allem spät angebaute Kartoffeln in Mitleidenschaft, insbesondere wenn diese ungenügend bewässert sind.  Eine späte Ernte kann zu Problemen führen, wenn es Ende des Sommer häufig regnet.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass ein später Kartoffelanbau stabile Ernteerträge gefährdet sowie das Kraut- und Knollenfäule-Risiko erhöht. Das Angebot an Frühsorten könnte ebenfalls beeinträchtigt werden, vor allem zu Beginn der Verkaufssaison. Diese unangenehmen Folgen werden jedoch bei günstigen Erntebedingungen begrenzt.

Weitere Informationen unter: www.agroscope.ch